Handelstipps

EUR/USD-Analyse – Beispiel und Rückblick

Das Währungspaar EUR/USD hat in den letzten zwei Monaten eine Erholungsphase eingepreist. Im ersten Monat wurde ein Doppelboden gebildet und dennoch war nicht wirklich klar, ob der Euro nun zur Erholung ansetzt oder weiter in Richtung Parität fällt. Die zweite Möglichkeit wurde bereits von vielen erwartet, da die lockere Geldpolitik der EZB sowie der geplante Anstieg der US-Zinsen dabei unterstützend wirkten.

Was bewirkte die Stärke im Euro?

Zwar konnte das Währungspaar im Monat März einen kurzfristigen Run bis zu 1,10 US-Dollar je Euro hinlegen. Da das Fed-Meeting keine Anhebung der Zinsen im Juni in Aussicht stellte, konnte der Bruch der psychologisch wichtigen Zone zunächst nicht überwunden werden. Auch der zweite Versuch scheiterte (eingekreiste Flächen).

Screen 1

Viele Ereignisse haben den Euro schließlich doch stärker werden lassen, so beispielsweise auch der steigende Ölpreis. Der Bruch der 55 US-Dollar im WTI Preis wurde durch Short-Eindeckungen auf dem Futures- und Optionenmarkt begleitet und schürte Erwartungen an eine steigende Inflation. Ein rascher Anstieg der Inflation würde womöglich bedeuten, dass die EZB ihre Geldpolitik anpasst. Erwartung Nr. 1 war geboren. Der Euro fand seinen Boden und stieg wieder in Richtung der 1,10 US-Dollar je Euro an (dritte eingekreiste Fläche).

Screen 2

Der steigende Ölpreis wurde überwiegend durch sinkende Lagerbestände und Schließungen von Plattformen in den USA angetrieben. Auch der Ausblick auf die Emerging Markets machte den Marktteilnehmern Hoffnung. Zusätzlich dazu lockerte auch China seine Geldpolitik und trieb die Rohstoffpreise somit weiter an. Auch der IWF sah den Ölpreis nun Ende des Jahres über dem besagten Level.

Über den 1,10 US-Dollar je Euro wurden die Marktteilnehmer zunehmend aufmerksam. Auf dem Futures- und Optionenmarkt konnten viele Short-Eindeckungen beobachtet werden. Auch die inverse Korrelation zu den EU-Aktienmärkten wirkte sich nun negativ auf die Märkte aus. Der DAX wechselte in den Korrekturmodus, während die US-Märkte weiterhin wie seit Anfang des Jahres volatil und richtungslos hin und her fluktuierten.

Was verursachte das Reversal im EUR/USD?

Nachdem die 1,10 US-Dollar genommen werden konnten, lag der nächste relevante Widerstand zwischen 1,14-1,15 US-Dollar je Euro. Der Anstieg bis in diesen Bereich erfolgte ebenfalls mithilfe einiger konjunkturbedingter Katalysatoren, denn die US-Daten waren weiterhin mäßig und deuteten auf eine Kontraktion hin.

Das US-Handelsbilanzdefizit hat sich deutlich erhöht und die schwache Produktivität wirkte sich negativ auf den Arbeitsmarkt aus, während die EU-Daten sich merklich verbesserten. Die EU-Inflation verzeichnete das erste Mal seit einem Jahr kein Negativwachstum mehr.

Die 1,15 US-Dollar je Euro konnten dennoch nicht ganz erreicht werden, denn bereits in der vorletzten Woche hatte EZB-Präsident Draghi erklärt, an dem geldpolitischen Kurs festzuhalten. Daraufhin wurden die Marktteilnehmer aufmerksam und brachten sich in Wartestellung. Der Anstieg wurde vordergründig von den Erwartungen an eine steigende EU-Inflation getrieben. Doch für den weiteren Anstieg sind nun Tatsachen notwendig.

In der vergangenen Woche verkündete EZB-Ratsmitglied Coeuré schließlich, dass die EZB das QE-Programm in den Sommermonaten ausweiten will. Der Grund ist die Überbrückung der Sommerflaute. Dementsprechend stiegen die EU-Aktienmärkte wieder an und der Euro gab nach. Dass Verkäufe schneller stattfinden, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, ist aktuell deutlich im EUR/USD zu sehen.

Fazit

Die Analyse zeigt, dass das grundlegende Verständnis von Marktkatalysatoren sehr hilfreich sein kann, um das aktuelle Marktumfeld zu verstehen und einzuschätzen. Im professionellen Handel kommt es daher sehr oft auf das Zusammenspiel zwischen Konjunkturdaten, der Geldpolitik und der Markttechnik an. Jeder der drei Faktoren hat seine Wirkung auf die Erwartungen der Marktteilnehmer.

Die Randbedingungen für die Ausprägung der drei Faktoren sind jedoch stets unterschiedlich und situationsbedingt. Die Analyse und der stetige Abgleich der drei Faktoren fördern das Marktverständnis ungemein und können dem Trader Vorteile in Form von Flexibilität verschaffen. Somit kann der Trader von Fall zu Fall entscheiden, ob er mehr ins Risiko geht oder lieber vorsichtig wird und das Risiko mindert.

Mit dem Broker Stockpair haben Kunden die Möglichkeit, derartige Analysen durchzuführen bzw. auf eine Quelle von Informationen zuzugreifen, die den stetigen Abgleich der drei Faktoren ermöglicht: die Realtime-Kursversorgung, wirtschaftliche Indikatoren sowie geldpolitische Entscheidungen.

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Screen 3