Handelstipps

Ausbruch mit Hilfe der Standard-Abweichung

Wer sich mit dem Handel von Aktien oder Finanzderivaten beschäftigt, wird zwangsläufig irgendwann über den Begriff der Volatilität stolpern. Die Volatilität ist unter Händlern eine vielbeachtete Kennzahl, die durchaus ihre Berechtigung hat. Warum ist die Vola oder Volatilität so interessant? Nun, sie sagt etwas auf die Aktivität an den Märkten und entsprechend der Marktteilnehmer aus. Herrscht eine hohe Volatilität, so geht diese meist mit einem hohen Handelsvolumen einher. Hohes Volumen gepaart mit hoher Volatilität hat meist eine Trendfortsetzung zufolge. Wenig beziehungsweise eine geringe Volatilität verkörpert hingegen Unsicherheit der Marktteilnehmer bezüglich des weiteren Kursverlaufs.

Grundsätzlich wird an der Börse davon ausgegangen, dass die Preise wie überall in der Natur normalverteilt sind. Das bedeutet weiterhin, dass es einen Mittelwert gibt, um den die Preise in einer mehr oder weniger großen Schwankungsbreite notieren. Weiterhin geht die Theorie davon aus, dass die Preise eine gewisse Tendenz haben, sich ihrem Mittelwert immer wieder anzunähern. Beispiele hierfür sind die geglätteten Durchschnitte. In welchem Bereich sich die Preise um diesen Mittelwert bewegen visualisiert der Indikator „Standardabweichung“. Die Standardabweichung ist also das Maß der Volatilität.

Herrscht eine hohe Volatilität, so kann man sagen, dass die Schwankungsbreite um einen Mittelwert stark erhöht ist. Steigt der Trend und mit ihm der Mittelwert, so ist bei höherer Volatilität die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Trend fortgesetzt wird. Und genau hier kann auch der Standard Deviation Indikator eine Hilfestellung sein.

Doch was steckt dahinter? Wenn die Marktteilnehmer von einer Trendfortsetzung ausgehen, dann sind sie auch bereit einen höheren oder niedrigeren Preis als den aktuellen zu bezahlen. Da sie ja von einem lang anhaltenden Trend ausgehen, würde sie ja noch länger vom Trend profitieren, sodass der Einstiegspreis quasi zweitrangig ist. Sind die Marktteilnehmer jedoch unentschlossen, so sind sie weniger risikofreudig und möchten letztendlich nur den aktuellen Preis zahlen. Die Schwankungsbreite der zu bezahlenden Preise nimmt ab.

Die Standard Abweichung als Indikator

Die Definition der Standard Deviation, so die offizielle Bezeichnung, lautet wie folgt:

Der Standard Deviation Indikator zeigt die durchschnittliche Schwankungsbreite des Kurses zu seinem arithmetischen Mittelwert an.

  • Der Indikator kann dabei auf folgende Weise interpretiert werden:
    Steigender Indikator deutet auf eine volatile Phase hin, die in der Regel gleichzeitig einen Trend bestätigt.
  • Fallender Indikator geht mit geringer Volatilität einher und kann entweder auf eine Konsolidierungsphase oder sich abschwächenden Trend hindeuten.
  • Ein längeres Verharren des Indikators auf niedrigem Level deutet auf ein baldiges Break-Out hin.

Die eben beschriebene Interpretation des Indikators ist die klassische Betrachtungsweise. Aber so unterschiedlich wie die einzelnen Assetklassen sind, so unterschiedlich können auch die Interpretationen der einzelnen Indikatoren sein.

Als Beispiel möchten wir den Tageschart des USD/CAD mit Hilfe der Standard Abweichung interpretieren:

  • Ein steigender Wert kann die Fortsetzung eines Trends anzeigen
  • Ein fallender Wert deutet auf eine Konsolidierung hin, aber bedeutet keineswegs automatisch ein Reversal.
  • Ein abrupt fallender Wert kann als Signal für eine Korrektur oder Seitwärtsrange angesehen werden und besitzt mehr Aussagekraft, als allmählich fallende Werte
  • Zwar ereignen sich Break-Outs nach einer Phase der tiefen Werte, allerdings kann das erst im Anschluss des Break-Outs erkannt werden, da der Indikator keinen Vorlauf hat.Die Zuverlässigkeit dieses Indikators ist also abhängig von der Interpretation. Auch hier gelten wie bei den meisten Indikatoren Extremwerte oder steil verlaufende Verläufe als die sichersten Anzeigen. Als zuverlässigstes Signal der Standardabweichung kann das abrupte und steil verlaufende Abfallen der Standard Abweichung angesehen werden. Dieser Verlauf deutet in den allermeisten Fällen auf eine Korrektur hin, welche entweder in einer Trendwende oder aber in einer Seitwärtsphase enden kann.

Betrachtet man den Chartverlauf unter markttechnischen Gesichtspunkten, so weiß man, dass die größten Bewegungen an markanten Punkten erfolgen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich tatsächlich um einen Ausbruch aus einer Range handelt oder um einen Fehl- bzw Fakeausbruch. Möchte man also Bewegungen handeln, so kann man diesen Indikator hervorragend nutzen.

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Tageschart des USD/CAD mit Standard Deviation

Im aktuellen Chart des USD/CAD sieht man einen Ausbruch aus der Seitwärtsrange nach unten. Zeitgleich mit dem Ausbruch ging ein abrupter Anstieg der Standard Abweichung einher. Bevor es zu diesem Ausbruch kam, herrschte eine tagelange Seitwärtsphase. Diese kündigte sich mit dem plötzlichen Abfallen der Standard Abweichung an. Kurz bevor es zu diesem steilen Abfall kam, konnte man einen starken Anstieg der Volatilität feststellen, der zu der langen Aufwärtsbewegung geführt hat.

Der neuerliche starke Anstieg der Vola bedeutet im aktuellen Fall aber nicht zwangsläufig eine Trendumkehr, sondern eher an Anzeichen, das es sich bei dem Breakout nach unten um eine starke Bewegung handelt.

Unser Fazit:

Wie bei fast allen Indikatoren, sind auch bei der Standard Abweichung Extremwerte und extreme Bewegungen am aussagekräftigsten. Liegt die Standardabweichung bei „Null“, so sind die Marktteilnehmer unentschlossen und man bleibt lieber draußen und wartet ab. Nimmt die Volatilität aber sehr hohe Werte an oder geht in einen steilen Verlauf über, so kann man den Indikator als Trendbestätigung ansehen. Bei einer schlagartigen Veränderung kann die Standard Abweichung hingegen sehr gut als Exit-Signal genutzt werden. Jedoch ist zu beachten, dass der Indikator ein nachlaufender Indikator ist und diese Signale mit einer gewissen Verzögerung einhergehen.