Handelstipps

Handel mit Hilfe von Fibo-Retracements und On Balance Volumen

Um einen Trend zu erkennen, benötigt man eigentlich keinen Indikator. Steigen die Kurse, welche meist wellenförmig verlaufen und bilden dabei höhere Hochs, sowie höhere Tiefpunkte aus, so spricht man von einem Aufwärtstrend. Und um solche Verläufe zu erkennen, reicht der blanke Chart aus. Dennoch setzen immer mehr Trader auf Indikatoren oder Handelssysteme, die auf Indikatoren basieren. Wir haben die Fibonacci-Retracements schon einmal behandelt und eigentlich sind diese „Level“ keine klassischen Indikatoren im eigentlichen Sinne, sondern %-Angaben.

Warum benötigt man nun also Indikatoren, wenn ein Trend auch ohne Indikatoren identifiziert werden kann? Weil man als Trader günstige Zeitpunkte für die Einstiege erkennen und nutzen möchte. Hierbei können sowohl die Fibo-Retracements, als auch Indikatoren dienen. Dieses ist insbesondere für Trendfolger interessant.

Die Indikatoren im einzelnen

Fibonacci-Retracements sind wie eben beschrieben keine Indikatoren im eigentlichen Sinne, sondern Widerstands- und Unterstützungslinien, die ähnlich wie Pivot-Punkte auf Berechnungen beruhen. Dabei entsprechen diese errechneten Zahlen einer Zahlenreihe, die in der Natur bei einer zufälligen Anordnung von Variablen oft vorkommt. Der Zufall schafft quasi eine gewisse Ordnung herbei. Da auch Kurse laut der Theorie auf statistischen, zufälligen Variablen basieren, versucht man auch die Fibonacci-Zahlen für wichtige Level bei Preisen zu nutzen. Dem 38%-Retracement kommt hierbei genauso wie dem 72%-Retracement eine besondere Bedeutung zu. Am 38er Fibonacci-Retracement enden die meisten Korrekturen in starken Trends und solange das 72er Fibo-Retracement noch hält, gilt ein Trend noch als intakt.

Aber bitte nicht falsch verstehen: Kursumkehrungen treten nicht an diesen markanten Stellen auf, weil sich die Preise daran halten, sondern weil sehr viele Trader die Fibonacci-Zahlen beachten. Entsprechend viele Orders liegen an diesen Retracements. Und nicht nur Händler arbeiten mit diesen Unterstützungslinien, auch automatisierte Handelssysteme beachten diese Level. Je verbreiteter ein Indikator ist und je mehr Trader diesen beachten, umso zuverlässiger wird dieser auch.

Anders als die Fibonacci-Zahlen ist das On Balance Volumen ein klassischer Indikator, der gemeinsam mit den Fibo-Retracements recht zuverlässig ist. Der On Balance Volume Indikator addiert in seiner Berechnung das Volumen vom Vortag und dem aktuellen Tag (Schlusskurse) und man erhält so eine gewisse Tendenz. Die Interpretation geht wie folgt:
• Eins steigendes On Balance Volume deutet auf stetig steigendes Volumen auf der Käuferseite
• Ein sinkendes On Balance Volume deutet darauf hin, dass das Volumen auf der Käuferseite abnimmt bzw. auf der Verkäuferseite zunimmt
Der Wert des OBV (On Balance Volumen) für sich allein genommen besitzt erst einmal noch keine große Aussagekraft. Wie bei den meisten Indikatoren gilt es hier auf Divergenzen zu achten. Vielen anderen gemein ist auch beim OBV, dass er ein sogenannter „nachlaufender Indikator“ ist. Deshalb ist es so wichtig, immer die Schlusskurse der Kerzen abzuwarten. Denn der Verlauf des OBV kann sich innerhalb einer Kerze verändern und so zu falschen Schlüssen verleiten.

Chartanalyse des AUD/USD mit der Fibo-Retracement-ONB-Kombination

Im nachfolgenden möchte ich mithilfe der beiden vorgestellten Indikatoren den aktuellen Chart des AUD/USD analysieren und mögliche Handelstipps für die Praxis ableiten.

Screen 1

Tageschart des AUD/USD

Betrachtet man den aktuellen Chart, so erkennt man, dass hier ein Abwärtstrend vorliegt. Um ein möglichst gutes Chance-Risiko-Verhältnis zu haben, wollen wir hier ein mögliches Reversal identifizieren. Aktuell stellt sich die Frage, ob das zulaufende Dreieck wie im ersten Beispiel ebenfalls nach unten aufgelöst wird oder ob es zu einer Trendumkehr kommen wird?

Wichtig ist nun sich nicht von Gefühlen oder Vermutungen leiten zu lassen, sondern nur das zu traden, was man auch sieht. Wie weiter oben erwähnt, ist der Abwärtstrend weiter intakt und die Frage die sich nun stellt ist, an welchen Marken man handeln muss. Rein charttechnisch gesehen müsste man den Ausbruch aus dem Dreieck nach unten abwarten oder aber den Ausbruch nach oben. Mittendrin ist eigentlich „Niemandsland“ und nicht rentabel zu traden.

Screen 2

Tageschart des AUD/USD mit Fibo-Retracements und OBV

Betrachten wir den Chart nun mit den eingefügten Fibo-Retracements und dem OBV, so erhalten wir ein etwas klareres Bild.
Die erste Unterstützung, die wir mithilfe des angetragenen Fibo-Retracements ausmachen können, liegt etwas oberhalb der unteren Trendlinie des Dreicks. Der OBV-Indikator zeigt keine Divergenz zum Preis. Daraus können wir nun folgendes schließen:

• Wir sehen einen vollkommen intakten Abwärtstrend
• Ein zulaufendes Dreieck wird in der Regel in Trendrichtung aufgelöst
• Ein Ausbruch nach unten wäre regelkonform
• Ein Ausbruch nach oben würde auf harte Widerstände aus dem nächsten Fibo-Retracement und Trendlinie stoßen
• Erst Oberhalb dieser Widerstandslinie hätte ein Ausbruch den Ausblick auf Erfolg

Wann lohnt sich ein Einstieg?

Auch wenn sie aktuell kein konkreter Tipp für eine Positionseröffnung ableiten lässt, so ist es dennoch gut zu wissen, dass man lieber noch die Füsse stillhalten soll und nicht euphorisch mit Chance auf ein Reversal eine Position ins Blaue eröffnen soll. Risikomanagement kann nämlich auch bedeutet, abwarten, wenn keine wirklich guten Chancen auf einen erfolgreichen Trade bestehen. Außerdem zeigt das Beispiel, dass Indikatoren Augen öffnen können. Ohne die angetragenen Fibonacci-Retracements hätte man die Widerstandslinie auf der oberen Seite nicht identifizieren können. Das OBV zeigt keine Divergenz, sodass auch hier die Chance groß ist, dass der Abwärtstrend weiter fortgesetzt wird.
Diesen Ausbruch könnte man sehr gut mit einer Put-Option in die Tat umsetzten.